Weltweit sammeln viele Menschen ihren alten Schmuck und lassen ihn einschmelzen.
Mit steigendem Goldpreis wächst einmal mehr der Anreiz,
diese verborgenen Schätze zu heben.
Bei einem Goldpreis von rund 1 000 Dollar hatte das Aufkommen - besonders in Asien - noch einmal deutlich zugenommen. Zuletzt wurde diese Marke Mitte Februar erreicht. "Das Gold kam tonnenweise über Aufkäufer zurück", sagt Wolfgang Wrzesniok-Rossbach von der Heraeus Metallhandelsgesellschaft. "Es ist dramatisch mehr als wir in normalen Jahren sehen." Ähnliche Entwicklungen seien auch in Deutschland und in Spanien festzustellen. In Phasen rückläufiger Preise habe das Angebot jedoch etwas nachgelassen.
Unter Experten gilt es als nahezu ausgemacht, dass der Goldpreis die Marke von 1 000 Dollar erneut testen wird. Am Freitag kostete die Feinunze Gold (rund 31,1 Gramm) in London knapp 930 Dollar. Gestützt wurde der Preis in den zurückliegenden Wochen vor allem durch die wachsende Unsicherheit der Investoren im Zuge der Finanzkrise. Das Edelmetall wurde einmal mehr als "sicherer Hafen" gesucht.
Anleger kauften vor allem physisches Gold in Form von Münzen oder Barren. Begehrt waren aber auch ETF, börsennotierte Fonds, die mit Gold hinterlegt sind. Die Bestände des weltgrößten Gold-ETF, SPDR Gold Trust, übersteigen inzwischen sogar die Bestände der Schweizer Notenbank.
Auch die Entscheidung der amerikanischen Notenbank, rund eine Billion Dollar in die US-Wirtschaft zu pumpen, hat den Preisanstieg vorangetrieben. Gold gilt unter anderem als klassischer Schutz gegen Inflation. "Sobald die gegenwärtige Wirtschaftskrise überwunden sein wird, dürften sich höhere Inflationsraten einstellen. Allein die Aussicht hierauf ist schon positiv für den Goldpreis zu werten", kommentiert Thorsten Proettel von der Landesbank Baden-Württemberg die jüngsten Entwicklungen.
"Viele Investoren, die heute noch einsteigen, tun dies unabhängig vom Preis. Sie sehen es als eine Versicherung für ihr Portfolio an", sagt Wrzesniok-Rossbach. Dies sei ein ganz neuer Trend am Markt. Der Heraeus-Experte, der die Entwicklung an den Edelmetallmärkten bereits seit Jahren verfolgt, rechnet im laufenden Jahr mit einem weiteren Preisanstieg. Dieser könnte sogar in einem Allzeithoch von 1 100 Dollar gipfeln.
Damit bleibt der Schmuckverkauf und das Recycling von Gold ein lukratives Geschäft. "Viele sortieren ihre Schmuckschatulle aus", sagt Dominik Lochmann, Geschäftsführer der ESG Edelmetall Service. Bei einem Preisvergleich der vergangenen zwei bis drei Jahre bekomme der Verkäufer heute das Doppelte für seinen abgelegten Schmuck.
Einige Investoren schließen dabei den Wiedergewinnungs-Kreislauf schon im eigenen Depot. Sie verkauften laut Lochmann ihr Altgold, etwa den geerbten und heute unmodernen Schmuck, und kauften sofort Barren und Münzen dafür, die besser handelbar sind. In der Regel sind die Kunden aber nicht selbst vor Ort. Goldaufkäufer oder Juweliere fungieren quasi als eine Art "Sammelstelle".
Nicht nur alter Schmuck kommt zu neuem Glanz. "Im gewerblichen Bereich ist das Recycling der Edelmetalle bei manche Produkten durch den Preisanstieg erst rentabel geworden", sagt Lochmann. Dies sei beispielsweise bei manchen Computerplatinen der Fall, in denen nur kleine Edelmetallmengen enthalten sind. Das "alte" Gold werde eingeschmolzen, zu Feinmetall verarbeitet und erneut an die Industrie verkauft.
Einen Vorteil bietet das Recycling von Edelmetallen generell: "Es geht nicht viel verloren", sagt Wrzesniok-Rossbach. Dies gelte nicht nur für Gold, sondern etwa auch für Platin, das aus alten Autokatalysatoren zurückgewonnen wird. Der Recycling-Markt hat zuletzt an Bedeutung gewonnen. Nach Angaben des World Gold Councils kamen 2008 insgesamt 1 146 Tonnen Altgold in den Markt zurück, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Rückfluss entspricht rund einem Drittel des gesamten Weltgoldangebots von 3 468 Tonnen.
01.04.09
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