Bei den großen Weltdevisen Dollar und Euro sind in den letzten Wochen schwere Verwerfungen zu beobachten. Verbraucher fürchten um die Kaufkraft ihres Geldes und den Verlust ihrer Ersparnisse. Um eine Inflation wie in Simbabwe zu vermeiden, schlagen Ökonomen eine Bindung der Währungen an Gold vor.
Das internationale Finanzsystem ist in den Treibsand des Misstrauens geraten. Verbraucher sorgen sich um die Kaufkraft ihres hart verdienten Geldes.
Zu Wochenanfang erschütterte ein neues Beben die globalen Börsen. Der Deutsche Aktienindex Dax verlor zu Wochenbeginn 5,1 Prozent und fiel die mühsam errungene und psychologisch wichtige 4000-Punkte-Marke.
Entsprechend groß sind die Erwartungen aller Akteure an das Treffen der 20 wichtigsten Industriestaaten diese Woche in London. Neben vielen anderen Problemen geht es darum, das Vertrauen in die Währungen der Welt wieder herzustellen. Seit der Zuspitzung der Finanzkrise ist nicht nur auf den Aktien- und Anleihemärkten, sondern auch auf den Devisenmärkten der Teufel los. Und das gilt nicht nur für die Währungen junger Industrienationen wie etwa dem polnischen Zloty, dessen Wert sich binnen weniger Monate halbiert hat. Auch bei den großen drei Weltdevisen Dollar, Yen und Euro sind schwere Verwerfungen zu beobachten. In der einen Woche stürzt der Wert des Dollars gegenüber dem Euro im historischen Ausmaß, in der nächsten kommt es zu gewaltigen Gegenbewegungen.
„Die Probleme können nur gelöst werden, wenn der derzeit herrschende Dollar-Kapitalismus überwunden wird“, sagt Takashi Nishizawa, Ökonom bei der japanischen Großbank Nomura. Das bisherige System habe nur funktioniert, solange die Wirtschaftssupermacht USA Stärke ausgestrahlt habe. Nun reiche es nicht mehr aus, sich auf den Greenback zu stützen, auch andere Nationen müssten ihren Beitrag leisten. Dabei denkt er vor allem an das dynamische Reich der Mitte, das nunmehr zur drittgrößten Ökonomie aufgestiegen ist. „Die chinesische Volkswirtschaft zeichnet sich durch hohe Währungsreserven, eine hohe Sparrate der Bevölkerung und ein hohes Wachstumspotenzial aus“, sagt Nishizawa. Der Renminbi werde als Reservewährung auf jeden Fall eine größere Rolle spielen müssen.
Wie groß das Misstrauen gegenüber den Währungen geworden ist, lässt sich an der Goldpreis-Entwicklung ablesen. Seit der Pleite der paradigmatischen Investmentbank Lehman Brothers Mitte September vergangenen Jahres haben sämtliche Währungen des Globus gegenüber dem Edelmetall an Wert eingebüßt. Am besten abgeschnitten hat seither noch der japanische Yen, der lediglich sieben Prozent abgerutscht ist. Schlimmer steht es gemessen am Golde um den Euro, der 23 Prozent niedriger steht als vor einem halben Jahr. Noch düsterer sieht es bei den osteuropäischen Währungen aus, bei denen der Verlust zwischen einem Drittel und 51 Prozent liegt. Schlimmer erging es nur noch dem Simbabwe-Dollar, der als Papiergeld praktisch wertlos geworden ist.
Pessimisten sehen auch simbabwische Verhältnisse bald weltweit um sich greifen, da immer mehr Notenbanken dazu übergehen, ungezügelt Geld zu drucken, um der Krise Herr zu werden. Als Gegenmodell wird zunehmend ein traditionelles Konzept ins Spiel gebracht: der Goldstandard. Die Idee: Um das Vertrauen in die Währungen wieder herzustellen, sollten diese mit Edelmetall unterlegt werden. Anders als im jetzigen System könnte dann nicht beliebig Geld geschöpft und in Umlauf gebracht werden. Vielmehr wäre die Geldmenge, deren zu starke Ausweitung Inflation provozieren kann, an die Goldbestände gekoppelt. „Im jetzigen Paradigma ist die Versuchung zu groß, sich der politischen wie wirtschaftlichen Probleme durch die Notenpresse zu entledigen“, sagt Finanzexperte Roland Leuschel. Um diese monetäre Libertinage zu verhindern, plädiert er dafür, Währungen mit Gold zu unterlegen. Bereits Mitte der Zwanzigerjahre trug die Wiedereinführung des Edelmetall-Standards dazu bei, die Inflation niederzuringen.
Auch Thorsten Polleit, Chefökonom Deutschland bei Barclays Capital, schlägt eine grundlegende Reform der globalen Währungspolitik vor. „Papiergeld, wie wir es momentan haben, ist in der Geschichte ein relativ junges Experiment, und wie die derzeitige Entwicklung zeigt, kein besonders gelungenes.“ Als Lösung schlägt er vor, ein System zu schaffen, in dem neues Geld nur dann ausgegeben werden könne, wenn dies mit einem Korb von Rohstoffen, darunter Gold, unterlegt ist. Ein wichtiger Aspekt wäre dann, dass die Wechselkurse untereinander fest wären.
03.04.09
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