Geld verdienen mit wertvollen Informationen

03.04.09

Rohstoffe - China und Japan horten Industriemetalle

Die Weltwirtschaft taumelt, doch der Kupferpreis legt zu: Hinter dem vermeintlichen Widerspruch stecken China und Japan, die sich mit Industriemetallen eindecken. Besonders die Volksrepublik geht aggressiv zu Werke.


China und Japan nutzen tiefe Metallpreise - und stocken ihre strategischen Lagerbestände auf. Neben Kupfer kaufte das chinesische State Reserve Bureau (SRB) 5000 Tonnen Titan und 30 Tonnen Indium, sagte Norman Ting, Managing Director beim Metallhändler Wogen Pacific. Die Japan Oil, Gas and Metals National Corp. wiederum teilte mit, ebenfalls die Reserven an Industriemetallen erhöhen zu wollen.

Die Aktivität der beiden Länder unterstreicht, dass die jüngste Erholung bei den Metallpreisen nicht unbedingt auf konjunkturelle Hoffnungsschimmer ín den Vereinigten Staaten und China zurückzuführen ist. Stattdessen erscheint es wahrscheinlich, dass staatliche Reservekäufe die Notierungen zuletzt unterstützten. Besonders bei Kupfer und Aluminium ist das naheliegend: Derzeit kostet Kupfer an der Londoner Metallbörse London Metal Exchange (LME) 3945 $ je Tonne. Das ist fast so viel wie im November. Im vergangenen Jahr brach der Kupferpreis um 54 Prozent ein. Zu Jahresbeginn setzte eine Gegenbewegung ein.

Verzerrter Stimmungsindikator

"Es ergibt mehr Sinn, die Metalle zuhause zu horten, als sie zu exportieren", sagte Wogan-Experte Ting. "Angesichts einer möglichen Dollarabwertung werden die Metallvorräte in der Zukunft mehr wert sein." Das sei nicht nur bei Kupfer, Titan und Indium der Fall, sondern auch bei Kobalt. Derzeit sei der Kobaltmarkt weit überversorgt, sagte Zhai Yang vom Anbieter Zhejiang Huayou Cobalt. Das werde auch das gesamte Jahr 2009 so bleiben.

Industriemetalle reagieren im Gegensatz zu Edelmetallen und Agrarrohstoffen sehr stark auf konjunkturelle Entwicklungen und werden von Marktteilnehmern gerne auch als Stimmungsindikatoren verwendet. Seit Jahresbeginn legten der Metall-Subindex des S&P GSCI um 5,5 Prozent zu - trotz des starken Einbruchs bei der Industrieproduktion weltweit. Die staatlichen Käufe der Chinesen und Japaner verzerren das Bild und vermindern die Aussagekraft der Preisbewegungen.

Schwache Nachfrage: Die Bauprojekte Pekings reichen nicht aus, um den Wegfall der Exporte auszugleichen
Schwache Nachfrage: Die Bauprojekte Pekings reichen nicht aus, um den Wegfall der Exporte auszugleichen

Nach Marktschätzungen importierte China in den vergangenen Monaten 600.000 Tonnen Kupfer. Laut Michael Widmer, Analyst bei BNP Paribas, sei es angesichts einer schwachen Exportnachfrage naheliegend, dass die Volksrepublik ihre strategischen Bestände aufstocke.

Anreize dafür gebe es nicht zuletzt wegen des Preisunterschieds zwischen den Börsen in Schanghai und London. Die Differenz ermuntere chinesische Unternehmen, Kupfer auf dem internationalen Markt zu kaufen - was in einem Rückgang der Bestände in den LME-Warenhäusern führe. Derzeit liegen sie bei 505.425 Tonnen. Das reicht aus, um für rund eineinhalb Wochen die globale Nachfrage abzudecken.

Die Frage lautet: Wie lange werden die Staaten ihre Käufe bei Industriemetallen fortsetzen? Angesichts eines Kupferpreises von knapp 4000 $ sei es fraglich, ob China das Aufstockprogramm fortsetzen werde, schreiben die Experten von Société Générale: "Sollten die staatlichen Käufe zurückgehen, würde eine entscheidende Stütze der Nachfrage wegbrechen." Sie gehen davon aus, dass der Kupferpreis sich wieder 3000 $ annähert."

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen